Regionale Spuren der Familie Fritsch - 2. Teil

 Er sorgte maßgeblich für den Friedensschluss mit Preußen
2. Teil
 
Leipziger Volkszeitung vom 14. November 2002 Geithainer Ausgabe Seite 29
 
Auf den Spuren der Familie Fritzsch in der Stadt Geithain und der Region (2) / Ein Nachfahre ist heute Mitglied im Geithainer Heimatverein
 
Geithain. Johann Fritsch gelang es innerhalb weniger Jahre, Eigentümer dieser Buchhandlung und des Verlages zu werden. 1673 erhielt er das Leipziger Bürgerrecht. Im Protokollbuch heißt es: Johann Frizsche von Geithen bescheiniget seine Ehelige Geburth, zahlet 35 Reichsthaler vor das Bürgerrecht, juravit [hat den Bürgereid geschworen]. Nur 45 Jahre alt ist er 1680 während des Besuchs der Buchmesse in Frankfurt am Main gestorben. Sein ältester Sohn Johann Thomas (1666?1726) übernahm die Buchhandlung und den Verlag mit 27 Jahren. Viele kaiserliche Druckprivilegien sind ihm verliehen worden, und weit über Leipzig hinaus hat er größtes Ansehen erlangt wegen seiner Erfolge als Buchverleger und wegen seines Reichtums. Sein einziger Sohn Thomas, der 1700 geboren wurde, zeigte schon früh ungewöhnliche Geistesgaben, studierte Rechtswissenschaften und erwarb den Titel des Dr. jur. zweiundzwanzigjährig. Im Jahre 1727 wurde er Direktor des sächsischen Münz?Cabinetts in Dresden. Bereits vorher hatte er das Rittergut Seerhausen bei Riesa erworben, dessen Gebäude 1948 gesprengt wurden.
Im dreißigsten Lebensjahr erhielt Thomas Fritsch vom Kaiser Karl Vl. den Reichsadelsstand. Gleichzeitig wurde er königlich?polnischer und kurfürstlich?sächsischer Regierungsrat. Sein Titel lautete nun Thomas Freiherr von Fritsch?Seerhausen. Hochgeehrt starb er 1775 als Staatsminister, Mitglied im Geheimen Konsilium des Kurfürsten. Die Sachsen haben vor allem ihm den Friedensschluss mit dem Preußenkönig 1763 zu verdanken ? den so genannten Hubertusburger Frieden.
Auch in der neuesten Zeit hat es Verbindungen gegeben und gibt es sie mit der Fritsch?Familie nach Geithain. So finden wir im Jahre 1912 und 1930 zu den Jubiläen des 2. Königlich?Sächsischen Ulanenregimentsments Nr. 18, Standquartier Geithain der 4. Schwadron, als Ehrengäste die Freiherren von Fritsch. Und auch nach 1990 ist ein Thomas Freiherr von Fritsch, jetzt in Schwäbisch-Gmünd lebend, mit Veröffentlichungen und mit Besuchen in der Stadt für die Aufhellung der jüngsten Vergangenheit tätig; er ist Mitglied des Geithainer Heimatvereins. Im Jahre 1999 sind seine Verdienste durch den Nestor der sächsischen Landesgeschichte, Professor Dr. Karlheinz Blaschke, öffentlich gewürdigt worden.

(Schluss)
Dr. Wolfgang Reuter